Ich habe ja zur Zeit “Tumorpharmakologie” belegt. Zum einen sind Tumore biochemisch ein bisschen mit chronischen Entzündungen vergleichbar und die Krebstherapie umfasst eben auch Schmerztherapie. Da wir über das Nervensystem und Morphine etc. schon im 3. Semester was gehört haben, ging es diese Woche in der Vorlesung zum Thema Antiphlogistika (=Entzündungshemmer) um die bekannten Schmerzmittel wie z.B. Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol.

Um die Wirkungsweise dieser Medikamente erklären zu können, muss ich erstmal vorne Anfangen. Nämlich bei Entzündungen, was sie machen und warum sie weh tun.

Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Entzündungen. Die aktuen sind die schmerzhaften schlimmen (eben akuten!) und die chronischen Entzündungen sind langanhalten und tun oft gar nicht (mehr) weh.
Bei aktuen Entzündungen durch Bakterien, Schadstoffe oder Gewebsschädigungen gibt es Zellen, die Botenstoffe ausschütten (unter anderem Zytokine und andere Entzündungsmediatoren), welche die umliegenden Zellen in Alarm versetzen und Gegenreaktionen auslösen:
*Schmerz
*Schwellung
*Rötung
*Erwärmung
*eingeschränkte Funktion
Das meiste davon ist durch stark erweiterte Blutgefäße und die daraus resultierende verstärkte Durchblutung begründet.

Zu diesen Botenstoffen gehören die Prostaglandine. Hat nix mit Prostata zu tun, aber vielleicht habt ihr das schonmal gehört. In den verschiedenen Geweben werden unterschiedliche Prostaglandine hergestellt, die auch alle eine andere Wirkung haben.
Prostaglandine in den Oberflächenzellen von Blutgefäßen führen eben zur Erwiterung dieser.
Im Magen führen sie zur verminderten Sekretion von Säure und zur verstärkten Sekretion von Schleim, um den Magen zu schützen.
Desweiteren sensibilisieren Prostaglandine die Schmerz-Nervenzellen und können – je nach Entstehungsort zur Erschlaffung oder zum Zusammenziehen von Bronchien und Darm führen. Ebenso verursachen sie die Kontraktion des Uterus (Beispiel Geburt…).
Zusammenfassen kann man sagen, dass die Mitglieder der Prostaglandin-Familie zum einen Entzündungshemmende und zum anderen Entzündungsfördernde Eigenschaften haben. Ist quasi so, als ob in einer Familie die Frauen Immobilienmaklerinnen und Baunternehmerinnen sind während die Männer im Abrissgewerbe tätig sind.

Die Schmerzen kommen eben durch die sensibilisierten Zellen. Wenn Thermorezeptorzellen normalerweise bei 45°C sagen “aua heiß!” sagen sie es durch Prostaglandine schon bei z.b. 40°C oder sogar Körpertemperatur. Schmerzzellen reagieren auch so, statt nem festen Schlag braucht es dann nur noch ein sanftes Drücken mit dem Finger, um einen Druckschmerz auszulösen. Kennt ihr sicher alle.

Und die ganzen gängigen Schmerzmittel wirken nicht etwa direkt auf die Nervenzellen, so wie Opioide es tun, sie wirken auf die Enzyme, die eben diese Prostaglandine herstellen.

Da gibt es zwei Stück, Cox1 ist immer aktiv und macht die Prostaglandine, die immer gebraucht werden, und Cox2 wird z.B. bei Entzündugnsreaktionen extra aktiviert.

Nun aber zu den Schmerzmitteln: Aspirin, bzw Acetylsalicylsäure, Ibuprofel, Naproxen und Diclofenac (bekannt als Voltaren) sind saure, nicht-opioide Schmerzmittel während Paracetamol ein nicht-saures, nicht-opioides Schmerzmittel ist.

Und obwohl Paracetamol schon seit Ewigkeiten auf dem Markt ist, weiß man nicht genau wie es wirkt.  Paracetamol kann unheimlich schnell zu Lebernekrosen (absterben der Leber) führen und kann ab einer Dosis von 10-12g (also bei 150mg Paracetamol pro kg Körpergewicht) tödlich sein. Daher werden nur noch kleine Packungen verkauft (was sinnfrei ist, da man zur not einfach in die nächste Apotheke geht…). Als Gegenmittel wirkt übrigens Hustenlöser!
Ach, und im Gegensatz zu den vier anderen Wirkstoffen wirkt Paracetamol nicht entzündungshemmend. Nur gegen Schmerzen und Fieber. Und wie gesagt: Leberschädigend.

Nun aber mal zu den wichtigen: Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofel, Naproxen und Diclofenac.
Sie hemmen Cox 1 und 2. Somit wird die Produktion der Prostaglandine gehemmt. Da Prostaglandine die Schmerz-Nervenzellen sensibilisieren, können die das nicht mehr und es gibt weniger schmerzen.
Zudem werden noch die fieber-verursachende und die entzündungs-fördernde Wirkungen gehemmt.

Hier mal eine kleine Zusammenfassung der Prostaglandinwirkung und  (=>) des Effekts der Medikamente:

Verringerte Magensaftproduktion  => Schleimhauterstörung
Verringerte Darmbewegung  => Diarrhö
Steigerung der Blutgerinnung => Blutverdünnung, Verhinderung der Gerinnung
Erhöhte Natrium-Ausscheidung in der Niere  => Oedeme, höher Blutdruck

Um nur mal ein paar zu nennen… Generell sind die Nebenwirkungen von Wirkstoff zu wirkstoff unterschiedlich.
So wirkt ASS schneller als die anderen, schädigt den Magen aber am meisten. Es kann sogar zu einem sog. “Aspirin-Asthma” kommen, also einem durch die Einnahme von Aspirin bedingtem, sehr starken Husten.
Gut zu wissen ist auch noch, dass die Blutgerinnung, also der Wundverschluss, nach der Einnahme von einer Aspirin-Tablette eine Woche lang (!) doppelt so lange dauert wie normal.

Gibt man Kindern, die an einer virusinfektion (z.B. Grippe) leiden eine zu hohe Dosis Aspirin (oder ein anderes Medikament mit Acetylsalicylsäure), kann dies das Reye-Syndrom auslösen. 25% der Kinder sterben daran, häufig kommt es zum Leberversagen und/oder Hirnschäden.

Generell besser verträglich ist Inbuprofen – meine erste Wahl bei starken Schmerzen! Es ist besser magenverträglich als die anderen Antiphlogistika und führt seltener zu Nebenwirkungen im Darmtrakt. Dafür braucht es etwas länger, bis es wirkt.
ABER: Ich habe selbst festgestellt, dass Ibuprofen grade bei Kopfschmerzen wesentlich besser wirkt als andere Medikamente. Es hat auch eine stärkere entzündungshemmende Wirkung. Besonders zu empfehlen sind die Lutschtabletten von Nurofen.
Zum einen braucht man kein Wasser, sie schmecken nach Zitrone oder Minze und obwohl nur 200mg Wirkstoff enthalten sind wirkt eine Tablette wie 400mg.
Wer schneller wirkendes Ibuprofen möchte, kauft am besten ein Präparat mit Lysin, die werden schneller aufgenommen.

Kommen wir zum dritten in der Runde: Diclofenac. Es macht den Magen kaputt und ganz total böse Nebenwirkungen. Ist generell unverträglicher und mein Pharmaprof sagt, das ist ganz schlecht.

Ach, und es gibt auch so tolle Kombinationspräparate mit einer Mischung aus 2-3 Wirkstoffen. Teilweise ist dann noch Coffein drin, oder Vitamine.
Studien haben gezeigt, dass die absolut keinen Therapeutischen Vorteil haben.
Ist also von der schmerzstillenden Wirkung egal, ob man jetzt 400mg Ibuprofen oder 200mg Iboprofen mit 200mg Acetylsalicylsäure in einer Tablette oder 400mg Acetylsalicylsäure nimmt.
Dafür steigt das Abhängigkeitspotential und vermutlich ist das ganze giftig für die Nieren. Also: Finger weg!

Nehmt das Schmerzmittel, dass ihr am besten vertragt. Aber nicht zu viel. Und nicht wild rummischen. Und wenn ihr regelmäßig welche braucht, dann eher nicht Aspirin oder Paracetamol… Denkt an Leber und Magen!
Grade wenn man einen Kater hat, sollte man kein Schmerzmittel nehmen, was die Leber noch mehr killt oder den Magen stark reizt.

Mit 2 Aspirin auf nüchternen Magen ohne Wasser (oder SEHR wenig Wasser) kann man übrigens toll die Schmerzen eines Magengeschwürs “simulieren”. Also, während das ASS den Magen zerfrisst habt ihr solche Schmerzen, als hättet ihr ein Magengeschwür. Es soll Medizinstudenten geben, die das ausprobiert haben…



Kommentar schreiben