So, nachdem ich jetzt alle 4 Bände gelesen habe und gar nicht drüber nachdenken möchte wie “realistisch” (*hüstel*) grade der 4. Band ist kann ich auch endlich mal meine Meinung zu den Biologie-Kenntnissen von Stephenie Meyer loswerden.
Ein Wort: FURCHTBAR!
Ich finde es eigentlich gut, wenn ein Autor versucht, fantastische Ereignisse aus seinen Geschichten real erscheinen zu lassen. Vampirismus wird ja oft als Krankheit, präziser sogar als Virus erklärt. Das finde ich gut, denn die Legenden gründen sich unter anderem ja auf Tollwut, die gerne von Fledermäusen übertragen wird… Ich meine mal gelesen zu haben, dass es zu Lebzeiten von Vlad III. Tepes Draculea sowas wie eine Tollwutepidemie in Rumänien gab.
Tollwut macht Menschen aggresiv (beißen+anstecken), lichtscheu (Sonnenlicht und Staub
) sowie geruchtsempfindlich (Knoblauch) und wasserscheu (Weihwasser..). Toll was?
Aber auch der fantastische Vampirismus lässt sich am besten durch ein Virus erklären. Einige Viren (z.B. Retroviren) bauen ihre DNA in die des Wirts ein und können diesen so dauerhaft verändern. Zum Beispiel das Immunsystem so verändern, dass es besser und schneller reagiert und man nicht mehr krank wird. Auch das mit dem besser riechen und sehen kriegt ein Virus hin, wenn er die Gene für die entsprechenden Rezeptoren mitbringt und eben die Riechschleimhaut und die Retina befällt.
Vermutlich sind zwar mehrere Viren notwendig, aber auch das könnte ja sein… Eine Multiinfektion die eben komplett übertragen wird. In Dracula von Bram Stoker wird beschrieben, dass die Oper über mehrere Tage oder Wochen regelmäßig angesaugt werden und sich erst zum Schluss verwandeln. So ein Virus braucht eine Weile, bis er sich im Körper ausgebreitet hat, man denke an HIV.
Für die Unsterblichkeit müsste in allen Zellen im Körper das Enzym Telomerase aktiviert werden (das macht man bei Zelllinien im Labor um die zu immortalisieren).
In dem Roman “Dunkel” von Wolfgang Hohlbein wird der Virus Vampirismus sogar durch Sex übertragen! (Tolle Idee
)
Bei Stephenie Meyer handelt es sich um Gift. Finde ich komisch… Gifte können viel erreichen. Aber keine so dauerhaft und vor allem weitgreifende Veränderung des Körpers. Und zudem einen Stop der Körperveränderung nach der vollendeten “Verwandlung”.
Auch, dass Vampire nicht mehr aufs Klo müssen ist totaler Humbug. Wenn die so viel Blut in sich reinkippen, dann wird das auch Verstoffwechselt und dann entstehen auch “Abfallprodukte”. Blut ist Flüssignahrung und ich bin sicher auch ein Edward kann solche Mengen Wasser nicht ausschwitzen! Vor allem weil er nie schwitzt Oo
Aber gut. Ist ja eine Fantasy-Geschichte und eigentlich sollte man an sowas nicht rummäkeln weil wenn man realistische Bücher will, sollte man Hanni&Nanni lesen ![]()
Nur: Die gute Frau Meyer fängt im 4. Band an über Chromosomen zu reden.
Menschen haben 23 Paare, also insgesamt 46.
Werwölfe haben 24 Paare, also insgesamt 48. Das ist schon komisch, weil überzählige Chromosomen immer zu körperlichen und geistigen Behinderungen führen. Ist Werwolfismus also eine Behinderung? Aber es wird ja davon gesprochen, dass das Werwolfgen vererbt wird. Vielleicht gibt es da ein ganz kleines Chromosom, auf dem nur die Informationen für die Werwolf-relevanten Sachen liegt, dass dann einfach mitvererbt wird.
Da der Werwolf ja 2 Chromosomen mehr hat, muss das ganze rezessiv vererbt werden… Denn man kriegt ja die eine hälfte Chromosomen von der Mutter und die andere vom Vater. Verwandelt man sich also nur, wenn man von beiden Elternteilen das Werwolf-Chromosom hat? Müsste mal untersucht werden…
Jetzt kommt aber dasProblem:
Vampire sind ja total cool und haben 25 Chromosomenpaare! Also 50 Chromosomen.
4 mehr als ein Mensch!!! BOAH!
Und wo kommen die plötzlich her? Waren die irgendwie im Gift? Ist das Gift vielleicht in Wahrheit eine “Chemikalie” (Ich hätte fast geschrieben ein Transfektionsmedium) mit den 4 (!) zusätzlichen Chromosomen? Wo wird das Gift dann überhaupt produziert? Speicheldrüsen? Und wir zur Hölle kriegt man 4 Chromosomen ins Genom eingebaut?
Wenn ein Mensch SO viele Chromosomen zu viel hat, kommt er meist nichtmal übers Embryonalstadium hinaus!
Aber vor allem: Carlisle hat das rausgefunden. Das ist Edwards total toller Vampir-Papa. Der ist Arzt. Die Sache ist nur: Es wird ja gesagt, dass sich die Körper von Vampiren nicht verändern. Deswegen können Vampirfrauen nicht schwanger werden.
Für eine Chromosomenanalyse braucht man Zellen IN TEILUNG. Also was, dass kein Vampir hat. Wie zur Hölle hat Carlisle das also gemacht? Als was für Zellen hat er die Zellkultur angelegt?
Das macht man normalerweise aus Blutzellen. Vampire haben ja aber gar kein Blut… zumindest kein eigenes. Vielleicht hat er also Pumablut erwischt? Bene, wie viele Chromosomen haben Pumas und Grizzlys?
Vampire haben ja auch keinen Herzschlag… da frage ich mich auch: Wie wird dann das Gehirn mit Sauerstoff versorgt? Ohne funzt das nämlich nicht.
Und noch was zum Thema “schwanger”.
Vampirmänner können Kinder zeugen. Vampirfrauen nicht, weil sich ihre Zellen nicht teilen können. Nur: Fertige Eizellen gibt es in einer Frau wie Sand am Meer. Vielleicht nicht für ein ganzes Vampirleben, aber jedenfalls ne Menge.
Bei Spermien ist das anders: DIE sind Wegwerfware. Schon nach kurzer Zeit sind die nicht mehr gut. Es werden permanent neue produziert. Nach ein paar Schuss ist das Magazin zudem leer – es sei denn, es werden durch Zellteilung neue gemacht.
Ich glaube kaum, dass Edwards 100 Jahre alte Spermien noch irgendwas bewirken können.
So, dass sind jetzt nur die Sachen, die mir spontan eingefallen sind.
Ich habe nichts gegen phantasievolle Geschichte. Ich liebe Elfen, Trolle, Vampire und alles. Für mich muss nichts “realistisch” sein.
Aber wenn man versucht sowas realistisch aussehen zu lassen, indem man irgendeinen pseudowissenschaftlichen Kram auffährt, dann sollte man es RICHTIG machen.
Das ist nämlich was, das mich an den Twilightbüchern wirklich gestört hat.
Nicht etwa, dass Bella, als sie endlich Vampir ist, alles ganz toll und super macht und sowieso besser ist als jeder Jungvampir vor ihr. Das habe ich erwartet! Das GEHÖRT sich so in einem Roman.
Die Prinzen in den Märchen schaffen ja auch immer, die 3 unlösbaren Aufgaben des Teufels/des Drachens/der bösen Hexe zu lösen, an denen sonst alle gestorben sind.
Aber das mit den biologischen Erklärungen, dass musst du noch üben, liebe Stephenie

Deiner auch?
^^ Unsere Geocaching-Statistik
Pumas, wie Katzen 38 (19) und Grizzlys 74 (37).
Das hab ich jetzt aber auch nur aus dem Netz.
Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es ist, fiktionale Dinge realistisch darzustellen. Ich hab bei meinem Buch in etwa die selben Probleme. Da es Fiktion ist… wird es keine Lösung geben, also muss man sich eine ausdenken. Leser von Fantasybüchern interessieren sich wahrscheinlich auch nicht wirklich für chemische Prozesse und wissenschaftliche Grundlagen, weshalb ein Fantasybuch auch kein Lehrbuch sein, sondern unterhalten soll.
Eine Vampirerklärung die “ja… so halt, war eben so, wieso weiß ich auch nicht” lautet, macht unzufrieden. Also muss man sich was ausdenken, was plausibel erscheint und in die Story passt, es ist einfach nichts weiter als ein weiteres Stück Fiktion, was in die Geschichte gehört.
Natürlich sollte es nicht total abstrus sein, aber selbst wenn… ja mei, was solls, ist doch nur ne Geschichte.
Ich versteh deine Frustpunkte ja schon, weil du dich ja immerhin mit einigen solchen Sachen berufsbedingt auskennst, aber als Fantasyroman-Schriftsteller interessiert sowas nur bedingt, glaub ich. ^^ Würde man in der Pflicht stehen, seine Kreaturen biologisch erklären zu müssen, würden die Vampire, Werwölfe und Monster jeglicher Art schnell aus den Büchern verschwinden – und das wäre sogar im Falle von Twilight sehr, sehr schade.
Ich lese auch gerne Fantasy und wenn jemand in einen Spiegel schaut und plötzlich ist da ein böser Zwilling will ich auch keine Erklärung, wie der Zauberspiegel das gemacht hat.
Ich kann gut auf Wissenschaft in Fantasybüchern verzichten! Wenn es nur männliche Zwerge gibt, dann können sie sich meinetwegen durch Zellteilung fortpflanzen oder einfach in Höhlen aus Stein wachsen. Ist mir WURSCHT.
Ich habe auch kein Problem damit, dass Vampirismus durch ein Gift “übertragen” wird. Es gibt viele schöne Gifte die viel können. Dann hätte Frau Meyer aber beim Gift bleiben sollen.
Nur wenn man dann Anfängt mit Chromosomen und was weiß ich, dann hört mein Verständnis auf. Das GEHT einfach nicht. Wenn man etwas erklären will, dann bitte richtig.
“Der Schwarm” ist auch ein Fantasybuch (oder zumindest “Fiction”) und Frank Schätzing hat undheimlich gut mit Wissenschaftlern zusammengearbeitet und recherchiert. Da kommt das wenigstens “glaubwürdig” rüber.
Verstehst du was ich meine? Entweder ganz oder gar nicht.
Och ich versteh das schon, ist halt so wenn man sich in einem Feld selbst gut auskennt, da springen einem die abstrusen Dinge ja nur so an. Mir wärs einfach nichtmal aufgefallen weil ich keine Ahnung hab, ich würd als Leser dann wohl eher denken: joa.. kann doch sein? Wer weiß.. – und damit wärs für mich gegessen.
Aber ich glaub ich nehm sowas halt generell nicht allzu ernst solang der Rest stimmt. (Und zu Twilight bzw Frau Meyer kann ich nix sagen, hab ich noch nie gelesen und bin mir nicht sicher, ob ich das will.
)
Ich bin gerade beim lernen noch über etwas interessantes gestolpert, was die Anzahl von Chromosomen bei “nahe verwandten” Arten angeht.
Der Chinesische Muntjak (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fa/Formosan_Reeve%27s_muntjac.jpg) besitzt 23 Chromosomen, während der Indische Muntjak (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Shammy2.jpg) nur 3 Chromosomen besitzt. Das würde man bei der starken Ähnlichkeit ja auch nicht denken.
Ich habe alle Bücher gelesen und das mehrmals. Beim ersten Mal ist mir das gar nicht aufgefallen, beim zweiten Mal schon weil wir gerade dieses Thema in der Schule durchgenommen hatten. Ich habe mich auch gefragt wie das gehen kann. Doch ich bin zum Schluss gekommen, dass es eigentlich egal ist. Ich meine die Bücher sind wirklich gut und eben nur Fiction. Es gibt ja auch keine Vampire (glaub ich jedenfalls) die sind genauso Fantasy wie die Sache mit den 50 Chronosomen.
Aber zu der Sperma Theorie habe ich etwas zu sagen. Es gibt doch auch Spender die ihr Sperma einfrieren und das hält dann auch ziemlich lange. Na ja und Vampire sind eiskalt vielleicht funktioniert das ja so.
…dann hätte Edward aber 100 Jahre lang nicht ejakulieren dürfen.
Ich glaube das hält kein Mann aus
Aber klar, es ist nur ein Buch. Trotzdem sollte man sowas besser durchdenken, wenn man es schreibt. Frank Schätzing arbeitet bei seinen Recherchen ja auch mit Wissenschaftlern zusammen, damit das, was er schreibt, Hand und Fuß hat!
“Ich habe nichts gegen phantasievolle Geschichte. Ich liebe Elfen, Trolle, Vampire und alles. Für mich muss nichts “realistisch” sein.”
/facepalm
Ich versteh grade nicht, wo dein Problem ist… Aber ich war mal so frei die Verlinkung zur Blöd-Zeitung rauszunehmen.
Irgendwie ziehst Du in letzter Zeit seltsame Gäste an. *g*
Ja, das hat der Ruhm so an sich… *seufz*
*grins*