Ja, es gibt mal wieder was neues aus dem schönen Hessenland… Ich bin in den Genuss des Museum Anatomicum gekommen und das war ein Erlebnis, dass einfach nur zu empfehlen ist! Das Museum findet ihr im Dachgeschoss des Instituts für Cytobiologie in der Robert Koch Str. und es hat immer am ersten Samstag im Monat von 10-12 Uhr offen. Der Eintritt beträgt 2? pro Person.
Leider ist es verboten Fotos zu machen, aber ich werde euch jetzt mal näher erzählen, was ihr da zu sehen kriegt!
Bei dem Begriff Anatomie fällt vielen sicher der gleichnamige Film ein… und tote Menschen. Und genau das findet ihr in gewisser Weise… In mehreren Räumen sind etwa 2000 Exponate (=Ausstellungsstücke
) aus der Zeit von 1650 bis 1920 zu sehen.
Es gibt sowohl Trocken- als auch Feuchtpräparate, also getrocknete Organe & Körperteile und auch in Fixans eingelegte Sachen. Darunter einige Sachen, bei denen man sich fragt, wie dieser Mensch überhaupt leben konnte…
Von Syphilis zerfressene Schädel, von Rachitis verformte Skelette, Knochen mit Wucherungen und Tumoren… unglaublich, wie stark so was entarten kann! Heutzutage kommt so was kaum noch vor. Zumindest nicht in Gegenden mit sowas wie medizinischer Versorgung.
Zudem findet sich dort das drittgrößte Skelett der Welt! Der lange Anton ist 2,44 Meter groß, man glaubt es erst wenn man davor steht, auf Augenhöhe mit seinem Becken! Das ist echt beeindruckend…
Des weiteren gibt es einen Raum, der Christian Heinrich Bünger, dem Begründer der Sammlung, gewidmet ist. Dort finden sich viele menschliche und tierische Präparate, die meisten von ihm selbst gefertigt, doch auch Geschenke an ihn von Kollegen. Ich fand besonders den Abguss eines gigantischen Blutschwamms, die Südamerikanische Mumie und den Nilpferdschädel total beeindruckend! So nem Nilpferd möchte ich nicht begegnen, wenn?s schlechte Laune hat… Mit einem Haps wär alles weg, n Arm oder n Bein… Die Zähne von dem großen waren so lang wie mein Unterarm. Fast zumindest…
Aber das wohl aufregendste (im Sinne von interessanteste) waren für mich die missgebildeten Embryos. Von Siamesischen Zwillingen zu einem Kalb mit 6 (!!) Beinen gibt es da vieles zu sehen. Natürlich ist das erschreckend, was bei der Kindesentwicklung falsch laufen kann, aber heutzutage kann so was schon bei Frühuntersuchungen entdeckt und teilweise behoben werden…
Allerdings sind die Stücke zum Thema ?Geburtsmedizin? ziemlich erschreckend… Also, was da als ?chirurgisches? Instrument verwendet wurde ist wirklich nicht lustig. Mehr Mordwerkzeuge als Instrumente, mit denen man Kinder auf die Welt bringt. Und nicht zuletzt ein Präparat von einer Schwangeren (Querschnitt). Es ist meines Wissens das erste, das je von einer Schwangeren gemacht wurde und ziemlich beeindruckend… Eine halbe Frau in einem Glasbecken…
Das Museum ist also nichts für weiche Gemüter, aber wenn ihr euch für Krankheiten und den menschlichen Körper interessiert, dann kann ich euch dieses Museum nur empfehlen! Gruppen können übrigens Sondertermine vereinbaren.
Alles wichtige findet ihr auf der Internetseite, also Telefonnummern, Öffnungszeiten etc.etc.
http://web.uni-marburg.de/anatomie/lehre/GdM/anatomie/
Also wenn ihr mal nach Marburg kommt, an einem ersten Samstag im Monat: Guckt euch dieses Museum an! Da seht ihr Dinge, die ihr so schnell nicht wieder vor Augen haben werdet!

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